12 Um ein Haar

HP12a

„Puh! Kinder, ich sag euch was!“ stöhnte Senta auf, nachdem sie es endlich geschafft hatte, sich mit ihren Kindern aus dem ganzen Trubel unauffällig fortzuschleichen. „Ich dachte schon, die wollen uns überhaupt nicht mehr gehen lassen!“
„Allerdings!“ ächzte Tommy. „Die Notärztin, die mich auf dem Arm hatte, wollte mich am liebsten gleich mit nach Hause nehmen. Aber dann fiel ihr gerade noch rechtzeitig ein, dass sie ja schon einen eigenen kleinen Hund zu Hause hat.“
„Ihr Glück!“ lachte Senta. „Noch so einer von der Sorte, das wäre ihr vermutlich schnell zuviel geworden!“
„Aber Mama!“ protestierte Tommy. „Ihr eigener Hund ist doch noch ein Welpe, ein kleines Baby, kaum drei Monate alt! Und ich bin doch schon fast erwachsen!“
„Na na, sooo viel älter seid ihr beide auch nicht. Und wenn ihr auch keine Babys mehr seid, so befindet ihr euch doch mitten im schlimmsten Flegelalter.“
„Finde ich überhaupt nicht!“ schnappte Tommy gekränkt, „zumindest bräuchte sie bei mir keine Angst um ihre Schuhe zu haben.“
„Stimmt, mein werter Herr Sohn hält sich ja lieber an Sonnenblumen und Krapfen. Und Hühner, nicht zu vergessen.“
„Äh…, Hühner?“ Tommy versuchte, sich dumm zu stellen.
„Jawohl, Hühner. Tu bloß nicht so scheinheilig! Oder glaubst du vielleicht, ich hätte nicht gehört, was der Nachbar erzählt hat? Mein Sohn, das wird noch ein Nachspiel haben, warte nur, bis wir zuhause sind.“
„Aber Mama!“
„Kein Wort mehr! Mir reicht das jetzt wirklich mit dir! Du hältst jetzt die Schnauze, bis wir wieder daheim sind, sonst werde ich wirklich unangenehm!“
„Hähähä!“ Tammy konnte sich ein hämische Lachen nicht verkneifen, ganz leise zwar, aber Senta hatte es doch gehört.
„Und du, meine liebe Tochter, hältst dich besser auch zurück! Dein Maß ist heute auch schon voll!“
„Aber Mama!“ protestierte jetzt Tammy. „Ich habe doch gar nichts gemacht! Was kann ich denn dafür, dass ich in der Kanne stecken geblieben bin?“
„Dafür kannst du in der Tat nichts, aber wenn du mir gehorcht hättest und sofort zurückgekommen wärst, dann wäre das ganze Malheur überhaupt nicht passiert. Oder willst du das vielleicht abstreiten?“
„Aber wenn der Grashüpfer mich doch geärgert hat…“
„Ach was, geärgert. Er hat halt gezirpt, was auch sein gutes Recht ist. In Zukunft sei ein wenig schlauer und lass dich nicht so schnell provozieren. Ich hätte ja nie geglaubt, dass ich das mal sagen werde, aber in dieser Hinsicht kannst du wirklich eine Menge von deinem Vater lernen, der hat nämlich die Ruhe weg.“
„Aber normalerweise ist dir das doch gar nicht recht.“ wandte Tammy ein.
„In dem Fall schon, du hast ja gerade eben selbst erlebt, dass man sich mit ein wenig Gelassenheit unter Umständen sehr viel Ärger ersparen kann. Und was den Grashüpfer betrifft: Eigentlich solltest du ihm ja dankbar sein, denn letzten Endes ist er es, der dich gerettet hat, indem er dich zum Niesen brachte.“
„Stimmt schon.“ räumte Tammy ein. “ Und dazu kam ja auch noch, dass mich immer noch das scharfe Gewürz in der Nase gejuckt hat.“
„Nicht schlecht, dann war es also quasi ein Doppelnieser, aber der war in diesem speziellen Falle wohl auch unbedingt erforderlich, so fest wie du in der Kanne gesteckt bist.“
Der Gedanke an den kleinen Grashüpfer und den gewaltigen Nieser, den er verursacht hatte, schien Senta ein wenig aufgeheitert zu haben, und so wagte Tommy eine Frage:
„Mama? Bist du uns noch sehr böse?“
„Nein, ich bin euch nicht böse. In erster Linie bin ich froh, dass wir das ganze Abenteuer heil und unbeschadet überstanden haben, Tammy vor allem. Ich mag gar nicht daran denken, was da alles hätte passieren können. Aber egal, das ist jetzt vorbei. Und jetzt freue ich mich vor allem darauf, bald wieder daheim zu sein.“
„Und, wirst du dann Papa erzählen, was wir alles angestellt haben?“ Diesmal kam die Frage von Tammy.
„Das muss ich mir noch überlegen, auf jeden Fall aber werde ich ihm ins Gewissen reden, dass er sich endlich ein wenig mehr um eure Erziehung kümmern soll, mir selbst wächst das allmählich über den Kopf. Mit euch zwei Rangen bin ich alleine total überfordert.
„Aber Mama!“
„Lieber Tommy, tu mir einen Gefallen: Bitte heute kein ‚Aber Mama!‘ mehr. Halt dich dran, sonst passiert etwas ganz Schreckliches. Das gilt auch für dich, Tammy!“ Senta seufzte. „Und jetzt gehen wir wirklich sofort und augenblicklich auf der Stelle nach Hause, ohne jede Verzögerung! Und ihr beide bleibt mir bitte ein wenig vom Leib, ich bin total fertig und brauche unbedingt etwas Ruhe. Vor allem keine Diskussionen mehr! Diesmal geht ihr aber einige Schritte voraus und nicht hinter mir, damit ich euch besser im Blick habe. Und jetzt los, hopp, hopp! Dann sind wir auch daheim, solange es noch hell ist.“

Eine Weile waren die drei Hunde jetzt schon dahingetrottet, langsam und schweigsam. Senta, weil sie sich entsetzlich müde und ausgelaugt fühlte, und die Kinder, weil das schlechte Gewissen sie drückte und ihnen beim Gedanken alles andere als wohl war, dass ihr Vater von ihren Streichen erfahren könnte. So gelassen und ausgeglichen er auch meistens sein mochte, auch seine Geduld hatte Grenzen und seine Donnerwetter waren sehr gefürchtet.

Mittlerweile befanden sie sich schon in unmittelbarer Nähe des heimatlichen Hauses und die Umgebung war wieder wohlbekannt und vertraut. Momentan gingen sie noch auf dem breiten Bürgersteig einer etwas stärker befahrenen Straße, mit langen Reihen parkender Autos, aber schon bei der nächsten Abzweigung würden sie auf eine ruhige Seitenstraße einbiegen und von da war es nur noch ein Katzensprung – oder doch eher ein Hundehüpfer? – nach Hause.

„Schau Tommy!“ Tammy stupste ihren Bruder an, „da vor uns geht eine Menschenmutter mit zwei kleinen Mädchen. Und einen Kinderwagen schiebt sie auch noch. Also insgesamt drei Kinder, wenn ich richtig gerechnet habe, das sind ja im Ganzen noch mehr als wir.“
„Stimmt,“ bestätigte Tommy, „von daher bräuchte Mama sich wirklich nicht zu beklagen. Wir sind ja immerhin nur zu zweit, und von dem Menschenvater ist auch weit und breit nichts zu sehen.“
„Das kommt davon, dass ihr Männer alle gleich seid. Vermutlich muss er auch das Haus bewachen. Höhöhö!“
„Verschone mich doch bitte mit deinem Weibergewäsch, liebe Schwester. Natürlich ist es wichtig, dass sich jemand um die Kinder kümmert, aber irgendjemand muss ja auch was Essbares ranschaffen. Und das ist nun mal die Aufgabe von uns Männern. Und damit ist er vermutlich gerade beschäftigt.“
„Dann meinst du also, er jagt gerade Hühner?“
„Ach rutsch mir doch den Buckel runter!“

Inzwischen waren sie so nahe an die Mutter mit ihren Kindern vor ihnen herangekommen, dass sie hören konnten was sie sprachen. Vor allem die beiden Mädchen waren nicht zu überhören , so laut und heftig stritten sie miteinander. Das etwas größere der beiden Mädchen hatte eine Puppe auf dem Arm und das kleinere wollte sie offensichtlich zurückhaben.
„Vera! Du gibst mir jetzt sofort meine Puppe wieder!“
„Alte Heulsuse! Du kannst sie ja gleich wiederhaben, Claudia. Sei lieber froh, dass ich sie eine Weile für dich trage.“
„Nein, gib sie mir sofort! Ich will sie wiederhaben!“
„Gut, aber dann sag erst bittebitte.“
„Mama! Vera will mir meine Puppe nicht zurückgeben!“
Unwillig drehte ihre Mutter sich um:
„Macht jetzt bitte kein Theater, ihr beiden! Ihr habt mich heute schon genug genervt! Und außerdem habe ich nicht die geringste Lust, ständig den Schiedsrichter für euch zu spielen. Einigt euch gefälligst selbst, aber bitte etwas leiser, sonst weckt ihr noch euer Brüderchen auf, wo ich doch so froh bin, dass er endlich schläft.“
„Typisch Weiber!“ moserte Tommy. „Ständig am Streiten!“
„Klar, Bruderherz.“ Gab Tammy ihm sarkastisch recht. „Frauen streiten ständig und Männer schaffen pausenlos Geld und Nahrung ran. Wie recht du doch hast.“
„Ach was, mit dir kann man einfach nicht ernsthaft reden.“
„Natürlich nicht, ich bin ja auch nur ein Weib. Für so was braucht es echte Männer.“
„Na also, endlich hast du es erfasst. Und jetzt gib Ruhe, Schwesterlein, mal sehen, ob sie sich nicht doch noch einigen können.“
Vorerst sah es allerdings nicht danach aus.
„Ich will jetzt sofort meine Puppe wiederhaben!“ rief Claudia und stampfte dazu mit dem Fuß auf.
„Dann hol sie dir doch!“ neckte Vera und hielt die Puppe so hoch in die Höhe, dass ihre Schwester sie gerade nicht mehr greifen konnte.
„Mama! Vera ärgert mich schon wieder!“
Die Mutter drehte sich erneut um.
„Vera, jetzt reicht‘ s! Gib Claudia sofort ihre Puppe zurück!“
„Na gut. Da schau! Hol sie dir doch!“
Mit diesen Worten schwang Vera die Puppe mit aller Kraft wie ein Hammerwerfer seinen Hammer und ließ sie dann plötzlich los. In hohem Bogen flog sie mitten zwischen zwei geparkten Autos hindurch auf die Fahrbahn.
„Du bist gemein!“ heulte Claudia und lief ohne zu Überlegen los, um sich ihre Puppe wiederzuholen.
„Bleib stehen, Claudia! Da kommt ein Auto!“ schrie ihre Mutter entsetzt auf, doch das Mädchen hörte nicht auf sie, es war viel zu besessen von dem Gedanken, ihre Puppe schnell wiederzuhaben.
Und dann ging alles blitzschnell. Tommy, der nur wenige Meter von dem Mädchen entfernt gewesen war, hörte aus dem Hintergrund noch seine Mutter eine Warnung bellen, doch da war er schon losgestartet, ohne genau zu wissen, was er da eigentlich tat. Seine Mutter hatte ihm immer wieder eingeschärft, wie gefährlich es sein kann, wenn ein junger Hund einfach auf die Fahrbahn vor ein Auto läuft, und genau diese Gefahr konnte Tommy in diesem Moment förmlich riechen.
Mit seinen vier Beinen war er im Antritt um einiges schneller als das kleine Mädchen und so hatte er sie genau in dem Moment erreicht, als sie zwischen den beiden parkenden Autos auf die Fahrbahn laufen wollte, um nach ihrer Puppe zu greifen. Von links näherten sich rasch bedrohlich laute Motorengeräusche. Im letzten Moment bekam Tommy Claudias Kleid noch mit seinem Maul zu fassen, stemmte sich mit aller Gewalt dagegen, die Pfoten in den Asphalt gekrallt … und hielt sie so zurück. Sie hatte die Arme nach ihrer Puppe ausgestreckt und wollte sich losreißen, um zu ihr zu laufen, da hörte sie ein lautes quietschendes Geräusch und schaute nach links in die Richtung, aus der es kam. Sie sah nichts, da ihre Sicht vom Kühler des parkenden Autos verdeckt war, aber ihr war natürlich klar, was jetzt geschah. Der Fahrer des Autos hatte die Puppe erst jetzt gesehen und war voll aufs Bremspedal gestiegen. Die Bremsen quietschten gequält auf. Entsetzt wich Claudia zurück und schlug die Hände vors Gesicht, auf keinen Fall wollte sie mit ansehen, wie ihre Puppe überfahren wurde. Trotz der Vollbremsung kam das Auto nicht mehr rechtzeitig zum Halten, der rechte Vorderreifen walzte über die Puppe und schleifte sie eine Weile mit, bis er endlich zum Stillstand kam.
Dann war auch schon Claudia Mutter heran , hob ihre Tochter hoch und drückte sie an sich: „Kind, was machst du denn für Sachen. Du darfst doch nicht einfach so auf die Straße laufen!“
„Aber Mama!“ weinte sie und deutete in Richtung Auto. „meine Puppe!“
„Vergiss die Puppe! Wir kaufen dir eine neue. Viel wichtiger ist, dass dir nichts passiert ist.
Vera, die zunächst kreidebleich und völlig bewegungslos daneben gestanden war, fing nun auch zu weinen an: „Mama, das wollte ich nicht…“
„Ich weiß, mein Kind,“ versuchte ihre Mutter sie zu beruhigen. Aber versprich mir, dass du so etwas nie wieder machst, das hätte nämlich ganz böse ins Auge gehen können und du hättest dann dein Leben lang mit dieser Verantwortung leben müssen. Ist dir das klar?“
Vera nickte nur, während ihr die Tränen immer noch über die Wangen kullerten.
„Dann bedanken wir uns mal bei dem kleinen Hund hier, der hat nämlich in der letzten Sekunde das Schlimmste verhindert.“
Tommy wurde allmählich selbst erst so recht klar, was geschehen war und langsam stieg ein angenehmes Gefühl in ihm hoch, so eine erhebende Mischung aus Stolz und Zufriedenheit.
Inzwischen war auch der Autofahrer ausgestiegen, hatte die lädierte Puppe aufgehoben und reichte sie nun der Mutter. „Tut mir leid, ich habe einen Moment nicht aufgepasst und hätte die Puppe fast übersehen. Ist alles in Ordnung?“
Die Mutter nahm die Puppe und lächelte: „Ja, zum Glück ist alles in Ordnung, dank unserem kleinen Lebensretter hier.“
Man konnte förmlich sehen, wie Tommy bei diesen Worten wuchs und voller Stolz wedelte er freudig erregt mit seinem Schwanz.
Nun waren auch Tammy und Senta heran und nahmen Tommy in ihre Mitte.
„Gut gemacht, mein Sohn!“ lobte Senta. „Damit hast du deine sämtlichen Scharten auf einen Schlag ausgewetzt, und ich könnte mir vorstellen, dass dein Vater sehr stolz auf dich sein wird. Falls wir wirklich irgendwann einmal tatsächlich nach Hause kommen sollten.“
„Gratulation, Bruderherz!“ meldete sich nun auch Tammy. „Das hast du wirklich gut gemacht, das muss der Neid dir lassen. Ich hoffe nur, dass du jetzt nicht völlig abhebst, so von wegen der große Lebensretter, und so.“
„Ach was, ich doch nicht. Und im Grunde war ja auch gar nichts dabei.“
„Also ich finde schon, dass du sehr gut und schnell reagiert hast, aber wie das so ist, Brüderchen, ein blindes Huhn findet eben manchmal auch ein Korn.“
„Tammy, tu mir bitte einen Gefallen, und lass ein für allemal die Hühner aus dem Spiel, ich will von diesen Viechern nichts mehr hören und nichts mehr sehen.“
„Sehr löblich, Tommy!“ freute sich seine Mutter, „damit wäre dann dieses Problem auch erledigt.“
„Na, dann wollen wir nur hoffen, dass er sich an diesen Vorsatz noch erinnert, wenn er sie wieder mal im Garten des Nachbarn rumlaufen sieht.“ unkte Tammy.
Tommy selbst bekam den Seitenhieb allerdings gar nicht mit, da ihn die beiden Mädchen mitsamt ihrer Mutter in Beschlag genommen hatten und sich mit Streicheln, Kraulen und lobenden Worten bei ihm bedankten. Aber auch Tammy und Senta bekamen einige Streicheleinheiten ab und ließen sich das auch gerne gefallen.

Schließlich aber machten sich doch alle auf den letzten Teil des Heimwegs, auch wenn die Trennung schwer fiel, denn die Mädchen und ihre Mutter waren wirklich sehr nett und wollten mit dem Streicheln gar nicht mehr aufhören.

Aber dann war es endlich so weit, sie waren wieder daheim. Wie zu erwarten war, lag Barry immer noch im Gras und schnarchte so laut, dass der Boden vibrierte.
„‚Haus bewachen'“ schnaubte Senta, „genau so habe ich mir das vorgestellt.“
Tammy aber sprang ohne Zögern auf ihn zu und rief: „Papa! Papa! Weißt du was gerade passiert ist? Tommy hat einem kleinen Mädchen das Leben gerettet! Um ein Haar wäre es überfahren worden. Hast du gehört, Paps?
„Natürlich habe ich dich gehört.“ brummte ihr Vater und richtete sich halb auf. Dann gähnte er ausgiebig. „Ich bin ja nicht taub. Und, stimmt es auch, was du da erzählst?“
„Es stimmt.“ Bestätigte Senta. „Dein Sohn hat wirklich sehr schnell reagiert und ganze Arbeit geleistet. Er ist losgesprintet wie ein Weltmeister und hat sie am Kleid gepackt und zurückgehalten, ein trainierter Rettungshund hätte das nicht besser machen können.“
„Das freut mich zu hören. Mein Sohn, du weißt sicherlich, dass unsere Rasse eine lange Tradition im Einsatz als Rettungshunde aufweisen kann und ich bin sehr erfreut darüber, dass du schon in so jungen Jahren, ja eigentlich noch Monaten, in der Lage bist, diese Tradition fortzusetzen. Mein Sohn, ich bin sehr stolz auf dich. Mach weiter so.“

Tommy freute sich wie ein Schneekönig über dieses Lob seines Vaters, sagte aber nichts, weil er auch gar nicht wusste, was er hätte sagen sollen. Stattdessen genoss er einfach den Augenblick und hoffte, dass er nicht so schnell aus diesem schönen Traum aufwachen musste.

„Und sonst?“ wandte sich Barry fragend an die Heimkehrer. „Was habt ihr sonst noch auf eurem Ausflug erlebt? Ist sonst noch irgendetwas Besonderes vorgefallen?“
„Nein, Paps.“ antwortete Tammy. „Nichts, was der Rede wert wäre.“ Dabei zwinkerte sie den anderen schelmisch zu.
„Umso besser, meine Lieben.“ Barry erhob sich jetzt ganz. „Und jetzt hört mir mal zu, ich will euch erzählen, was ich mir überlegt habe, während ich das Haus bewacht habe.“ Tammy konnte gerade noch ein Kichern unterdrücken und gluckste nur.
„Also, meine Lieben…“hub Barry wieder an. „Ich habe mir überlegt, dass ich tatsächlich in der letzten Zeit nur sehr wenig mit euch unternommen habe, da hat eure Mutter schon Recht. Aber ihr wisst ja wie das ist, wenn man schwer beschäftigt ist.“
„Klar, Paps, wissen wir.“ Tammy verzog keine Miene.
„Und da dachte ich mir, da ja morgen unser Herrchen den ganzen Tag zuhause ist und ich sozusagen frei habe, da könnten wir doch alle zusammen ein Picknick im Park machen. Und dann wollen wir auch dafür sorgen, dass sich wirklich was rührt, heute scheint da bei euch ja nicht viel los gewesen zu sein. Auf dem Programm stehen also lustige Spiele im Grünen, ein wenig gemeinsam herumtollen, vielleicht ein paar freche Katzen nur so zum Spaß ein bisschen durch die Gegend stauben, beim Cafe unauffällig die Abfalleimer durchwühlen, vielleicht fällt da ja die eine oder andere Schleckerei für euch ab. Und für Mama treiben wir vielleicht sogar ein paar Blümchen…“
Plumps! Alle drehten sich zu Senta um, die ohnmächtig ins Gras gesunken war.
„Nanu! Senta? Was ist los? So kenne ich dich ja gar nicht.“ Barry schien ernsthaft beunruhigt, fast schien es als sei er drauf und dran, seine eiserne Bierruhe zu verlieren, zumindest ansatzweise. Doch schnell fing er sich wieder und drehte sich nur noch leicht unsicher zu seinen Kindern um: „Eure Mama wird sich schon wieder erholen. Die freudige Überraschung war anscheinend zuviel für sie.“

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Hundsviecherei

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