Die Meisterflöte

Vor langer Zeit lebte der betagte Graf Arkan mit seiner blutjungen, liebreizenden Gemahlin Beatrice auf einem Schloss nahe einem Dorf. Er wachte äußerst eifersüch­tig über sie und hielt sie, soweit es in seiner Macht stand, von allen anderen Menschen, vor allem aber von Män­nern fern. Das einzige männliche Wesen, das er in ihrer Nähe duldete, war ein großer schwarzer Kater, der sie über ihre Einsamkeit hinwegtröstete.

Eines Tages aber tobte ein gewaltiges Gewitter über dem Schloss und ein Regenschauer ging nieder. Auf der Flucht vor diesem Unwetter verschlug es einen Fremdling an den Wohnsitz des Grafen. Völlig durchnässt stand er dem Herrschaftspaar gegenüber. Sein Name sei Luigi Resoldo, er stamme aus Florenz und suche eine Anstellung als Musiklehrer. Der Graf beäugte argwöhnisch die schlanke, hochgewachsene Gestalt des Jünglings, das wallende Haar und die strahlenden Augen, die sicher so manches Frauenherz erobern konnten. Lieber früher als später hätte er ihn wieder fortgeschickt, doch Beatrice flehte und bettelte inständig, er möge Luigi doch in Dienst nehmen, sie liebe die Musik tief und innig und es sei fürwahr entsetzlich langweilig für sie, mutterseelenallein ohne jede menschli­che Gesellschaft zu sein.

Zunächst stellte ihr Gatte sich taub, als Luigi je­doch seine Schalmei zückte und eine wehmütige Hirtenweise anstimmte, die tief ins Herz drang, gab der Graf mit Tränen in den Augen seinen Widerstand auf. Er engagierte den er­freuten Maestro als Musiklehrer für seine Gattin unter der Bedingung, dass er sich im Dorfgasthof einquartiere und nur zu den täglichen Übungsstunden aufs Schloss komme.

So geschah es. Jeden Tag zur gleichen Stunde erhielt Beatrice nun ihre Flöten— und Gesangstunden — mit beachtli­chem Erfolg: Sie blühte förmlich auf. Arkan sah dies nicht nur mit Wohlgefallen, nein, mit wachsendem Misstrauen regi­strierte er den belebenden Einfluss des Musikunterrichts auf seine Beatrice.

Mit geröteten Wangen, glänzenden Augen und wogendem Busen, so kam sie aus jeder Lektion. Wenn er sie auf ihren Zustand ansprach, lächelte sie nur und seufzte: “Ach, die Musik tut mir so gut.“

“So, dann will ich in Zukunft auch bei den Musikstunden dabei sein.“

Doch da wehrte Luigi ab: “Das geht nicht, mein lieber Graf, beim besten Willen nicht. Jede Anwesenheit eines Unbeteiligten wirkt sich äußerst hemmend auf die Konzentration und die Aufnahme­fähigkeit des Schülers aus und würde die Fortschritte im Lernen in bedenklichem Maße gefährden.“ Und Beatrice sekundierte: „Aber liebster Arkan, du willst doch meine Fortschritte nicht gefährden?“

Natürlich wollte er das nicht und so blieb alles beim alten.

Von Tag zu Tag und von Stunde zu Stunde aber plagte ihn die quälende Ungewissheit stärker: “Ich muss wissen, was zwischen den beiden vorgeht. Wie stelle ich es nur an?“

Endlich kam ihm der alte Tamos in den Sinn, der am Wald nahe der Teufelsschlucht in einer einsamen, halbzerfallenen Hütte wohnte. Man munkelte über ihn, dass er Zauberkräfte besäße. Eilends begab er sich zu ihm und klagte dem alten Einsiedler sein Leid. Der hörte ihm aufmerksam zu, zupfte dann an seinem langen, weißen Bart und sprach: “Hm, ich glaube, ich kann dir helfen. Höre meinen Vorschlag: Ich verwandle dich in ein kleines, unauffälliges Tierlein, in dessen Gestalt du die beiden unbemerkt zu belauschen vermagst.“

„Ein Tier? Woran denkst du denn da?“

“Nun, an eine Fliege zum Beispiel. Klein, unauffällig.“

“Zu gefährlich. Ein Schlag mit der Fliegenpatsche und ich bin erledigt. Und was ist, wenn ich in ein Spinnennetz gerate?“

“Also eine Spinne?“

“Pfui Teufel.“

“Eine Fledermaus? Schnell, wendig, kann im Dunkeln sehen.“

“Glaubst du im Ernst, meine Frau würde eine Fledermaus in ihrem Zimmer dulden?“

Tamos wurde leicht ungeduldig: “Dann eine Maus. Du kriechst unters Bett und kannst alles belauschen.

“Bist du wahnsinnig? Da hat mich doch sofort ihr Kater am Kragen. Halt, das ist die Idee! Du verwandelst mich in ihren Kater, so bin ich bestens getarnt und habe alles im Blick.“

Tamos nickte: “Gut, so machen wir es. Pass auf! Ich gebe dir dieses Fläschchen mit Zaubertrank, und wenn es soweit ist, dann konzentrierst du deine Gedanken auf den Kater deiner Gemahlin, nimmst einen tiefen Schluck aus der Flasche und sprichst dreimal das Wort “Miraculum“. Das wär’s.“

Graf Arkan bedankte sich und wollte schon hocherfreut gehen, da hielt Tamos ihn zurück: “Halt, das Wich­tigste weißt du noch nicht. Das Problem bei der ganzen Sache ist die Rückverwandlung, da du als Tier ja nicht mehr sprechen kannst. Ich muss dir also im entscheidenden Augenblick zur Seite stehen. Sei pünktlich um Mitternacht bei der Kräheneiche am Galgenberg! Ich werde zur Stelle sein. Doch ich warne dich: Lass mich nicht warten.“

“Keine Sorge und vielen Dank:“ Schon war der Graf zur Tür hinausgestürmt.

Zuhause angekommen, stürzte er sofort zu seiner Ge­mahlin: “Liebling, ich muss sofort abreisen.“ Beunruhigt erkundigte sie sich nach der Ursache seines überstürzten Aufbruchs, doch Arkan hielt sich bedeckt und sprach von wichtigen unaufschiebbaren Familienangelegenheiten. Er verabschiedete sich mit einem Kuss: “Ich komme spätestens morgen Abend wieder zurück. Sei mein liebes braves Weibchen und pass gut auf dich auf! Bei deiner Flötenstunde heute Abend wünsche ich dir viel Spaß und sieh zu, dass du dann bald ins Bett kommst.“ Beatrice lächelte und erwiderte:

“Ja, das will ich tun, mein lieber Mann.“ Sie war so in Gedanken versunken, dass ihr das hinterhältige Grinsen Arkans völlig entging.

Schnell stieg er in seine Kutsche und gab den Befehl zur Abfahrt. Beatrice winkte ihm mit einem weißen Tüchlein hinterher. Schon nach kurzer Strecke hieß er den Kutscher halten und schickte ihn unter einem Vorwand weiter. Er selbst ging hurtig zurück in den Garten seines Schlosses. Dort zog er die Phiole des Zauberers hervor, dachte inten­siv an den Kater seiner Frau, bis dieser klar und deutlich vor seinem geistigen Auge stand, nahm einen tiefen Schluck und sprach dreimal das Wort: “Miraculum“.

Schlagartig verlor er das Bewusstsein. Ein seltsames Geräusch weckte ihn. Er spürte, wie ihn jemand hinter dem Ohr kraulte. „Alle Teufel, der Zauber hat gewirkt!“ dachte er, noch etwas benommen.

Er befand sich auf dem Schoß von Beatrice, die ihn zärtlich streichelte, und das seltsame Geräusch, das war nichts anderes als sein eigenes Schnurren. In der Tat, hier konnte man es schon aushalten, gerade aber als Arkan sich so richtig wohlzufühlen begann, da klopfte es. “Warte Liebster, ich komme!“ Beatrice sprang auf, verfrachtete den Kater Arkan in seinen Korb ‚ dann huschte sie zur Tür um sie zu öffnen, nein, sie aufzureißen.

Luigi war kaum eingetreten, da fiel sie ihm schon um den Hals: „Ach, Geliebter, heute ist mein Gatte nicht zu Hause, da haben wir den ganzen Abend für uns.“

Die Antwort klang erfreut: “Oh, wie schön. Also verfügen wir über genügend Zeit, um pian‘ pianino alle Register der schönen Musik auszukosten.“

“Musik!“ tönte es empört zurück, “Du willst mir jetzt allen Ernstes eine Musikstunde geben?“

“Aber natürlich, meine Teuerste, was hast denn du gedacht? Dafür werde ich schließlich von deinem Gatten entlohnt. Du glaubst doch wohl nicht, dass ich es fertig brächte, ihn zu hinter­gehen?“

“Was höre ich da?“ Arkan glaubte seinen Ohren kaum zu trauen: “Sollte ich Luigi so verkannt haben? Der gute Kerl, ich werde ihn mit Gold überhäufen.“

Beatrice stampfte zornig mit dem Fuß auf und zog eine dicke Schnute. Doch dann zuckte sie ergeben mit den Achseln: “Wenn du meinst, so will ich meine Flöte holen.“

“Nein, Liebes, warte. Ich glaube, du bist mittlerweile in der Kunst des Musizierens bereits so weit fortgeschritten, dass ich dir meine Meisterflöte anvertrauen kann.“

“Du hast sie dabei?“
“Immer, grinste Luigi und strich über seine prallen Beinkleider. Die gelehrige Schülerin hatte verstanden. Begei­stert klatschte sie in die Hände: “Ich will sie sehen! Lass sie mich herausholen!“ Sie sank vor ihm auf die Knie.

Auch Arkan war inzwischen ein Licht aufgegangen: “Dieser Höllenhund! Ich lasse ihn vierteilen.“

Beatrice öffnete mit geschickten und — wie es dem Grafen schien — geübten Fingern Luigis Hose. Erwartungsvoll zerrte sie sein Instrument ins Freie. Lang und steif wuchs es ihr entgegen: “Oh, eine echte Zauberflöte!“ lachte sie “In der Hülle ist sie ganz klein und wenn man sie auspackt, dann entfaltet sie sich zu ihrer vollen Größe.“

“Wohlan, nun versuche darauf zu spielen“ ermunterte sie der Florentiner. Die Finger ihrer linken Hand umfassten fest den Flötenschaft, die der Rechten wanderten unter ihre Röcke und kitzelten dort eine empfindliche Stelle. Die angehende Flötistin fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, dann umschloss ihr Mund sanft und dennoch fest die rotglänzende Flötenspitze. Bald ließ sie ihre Zunge trillern, bald saugte und lutschte sie und stellte in jeder Hinsicht die Gelehr­samkeit einer sehr eifrigen Schülerin unter Beweis. So sehr sie sich allerdings auch anstrengte, es gelang ihr nicht, dem Wunderhorn auch nur einen Ton zu entlocken, wohl aber seinem Besitzer: Der stöhnte und ächzte, als sei er bereits auf die Streckbank gespannt, auf die der gehörnte Ehemann ihn wünschte. Schließlich entzog er sich diesen weichen, saugenden Lippen: “Halt ein, Geliebte, unsere Ouvertüre ist zu Ende, nun soll sich der Vorhang heben.“ Er entkleidete sie langsam und zärtlich und trug sie zum Bett, anschließend legte er selbst Hemd, Hose und auch alles Übrige ab.

“Lass mich an deiner Muschel dem Gesang der Wellen lauschen:“ Tief vergrub er seinen Kopf zwischen ihren Schenkeln. “Was soll das?“ fragte sich Arkan und pirschte sich auf Samtpfoten näher. Beatrice umschlang Luigis Kopf fest mit ihren runden, seidenweichen Schenkeln. “So kann er ja nichts hören!“ Als sie stöhnend ihre Beine weit auseinanderspreizte, da konnte der Graf es sehen:

Der Wüstling lauschte ja gar nicht, sondern liebkoste mit seiner vorwitzigen Zunge die Kostbarkeit seiner Frau, die in höchsten Tönen jubilierte. “Jauchze nur, mein Liebling!“ flüsterte Luigi, „meine Zunge soll dazu tanzen.“ Und wie sie tanzte! Bald schnell trippelnd auf der Stelle, dann wieder langsam in weit ausholenden Schwüngen, erst rund um die rote Knospe, dann wieder kreuz und quer durch den tiefen Wald. Arkan wäre vor Wut beinahe an die Decke gesprungen, vor allem als er feststellen musste, wie sehr Beatrice das Zungenspiel genoss, wie ihre Lustschreie immer höher und spitzer wurden, bis sie unter Stöhnen und Zucken den ersehnten Höhepunkt erreichte.

Ihr Lehrer gönnte ihr nur eine kurze Ruhepause: “Dreh dich um. Liebste, ich will die Trommel schlagen.“ Willig wälzte die Atemlose sich auf die Knie und ließ für ihn den Vollmond aufgehen. Luigi, nicht faul, klatschte die runden weißen Globen mit der flachen Hand, dass es im ganzen Schloss schallte und widerhallte. Beatrice quietschte laut auf und wackelte wollüstig mit ihrem Hinterteil.

“Warte nur, du Hure“ dachte Arkan grimmig, “morgen werde ich die Trommel schlagen, und dann wird dir der Spaß vergehen. Ich werde diesem kleinen Luder mitten auf dem Marktplatz das geile Ärschlein entblößen und es dann mit Ruten peitschen, nein, mit Brennnesseln. Und anschließend setze ich sie mit nacktem Hintern in einen Ameisenhaufen.“

Im selben Maße, in dem sich ihre Bäckchen erhitzten und röteten, beschleunigte sich der Atem der Geklopften:

“Ah, mein Steiß brennt, Liebster, du musst die Feuerglöcklein läuten.“ Luigi kniete sich hinter sie, brachte den Glockenschwengel in Stellung und tat wie ihm geheißen, während er weiterhin den Takt dazu schlug. Die kleine Musikschülerin genoss das Geläute ganz offensichtlich, schließlich aber warf sie sich mit einem Ruck auf den Rücken, öffnete weit ihre heißen Schenkeln und lockte: “Komm mit deinem Taktstock, mein kleiner Dirigent, das Orchester wartet auf den Einsatz für das Finale.“

Schon war Luigi zwischen ihren Lenden. Jetzt hielt Arkan es nicht mehr aus, wutentbrannt sprang er auf den Rücken des feurigen Liebhabers und schlug ihm seine Krallen tief ins Fleisch. Der aber war so tief im Liebestaumel versunken, dass er den Kater gar nicht bemerkte und wähnte, die Geliebte hätte ihn gekratzt: “Oho, mein Kätzchen, du hast ja scharfe Krallen. Warte ich will dir tüchtig die Sporen geben.“ Mit diesen Worten schob er seinen prallen Kolben tief in ihre feuchte Höhle und begann einen wahren Höllenritt… Finale furioso.

Arkan war hin und her gerissen: er wollte die beiden Sünder unter keinen Umständen aus den Augen lassen, doch rückte andererseits der Zeiger der Standuhr bedenklich nahe auf Mitternacht zu. Es war nicht ratsam, den Zauberer warten zu lassen. Wie er so überlegte, was zu tun sei, da stieg ihm plötzlich ein betörender, atemberaubender Duft in die Nase, der ihn vollständig gefangen nahm. Wo kam dieser unwiderstehliche Geruch her? Er eilte auf den Balkon, jetzt sah er es: Unten im Garten promenierte eine faszinierende Katzendame, die sich offenbar in sehr entge­genkommender Stimmung befand. Vergessen Beatrice, vergessen der Zauberer, diese aufreizende Kätzin musste er haben! Schnell sprang er zu ihr in den Garten. Als sie seiner gewahr wurde, hob sie einladend den Schwanz und lief in weiten Sätzen davon, Arkan hinterher. Der Rest war ein einziger Liebesrausch.

Etliche Stunden später trottete er hundemüde, zerkratzt und ausgelaugt, aber glücklich heim. Heim? — Siedendheiß überfiel ihn die Erinnerung: Der Zauberer! Mitternacht! Die Rückverwandlung! Oje, was nun? In höchster Panik lief er zum vereinbarten Treffpunkt.— Keine Menschenseele zu sehen. Was tun? Bald erkannte er, wie sinnlos es war, auf den Zauberer zu warten, stattdessen lief er zu dessen Hütte. Doch, oh Schreck, es war wie verhext, er konnte sie nicht mehr finden, sie schien spurlos verschwunden.

Einer plötzlichen Eingebung folgend hetzte er zurück zum Garten des Schlosses. Gott sei Dank, dort lag ja noch die halbvolle Phiole mit dem Zaubertrank am Boden. Er entkorkte sie mit den Zähnen und schleckte den Inhalt mit seiner rauen Zunge auf. Jetzt fehlte nur noch der Zauberspruch! Himmel hilf! Miraculum! Miraculum! Es wollte und wollte einfach nicht über seine schmalen Katzenlippen. Alles was er herausbrachte war ein lang gezogenes, klagendes Miau. Immer und immer wieder versuchte er, den Zauberspruch ertönen zu lassen. Umsonst! Immer jämmerlicher und herzzerreißender schallten seine Rufe in den Nachthimmel. Vergeblich!

Noch in vielen Nächten erklang das verzweifelte, weh­mütige Klagegeschrei, und es geht die Sage, dass der ver­zauberte Arkan noch heute wehklagend durch die nächtlichen Gärten und Straßen streift.

MIRACULUM

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