Der Glückstopf

In diesem kleinen Märchen geht es um den alten Spruch, dass jedes Töpfchen sein Deckelchen findet.  Die Illustrationen dazu sind von Ulla Bauer-Mirlach, leider nicht vollständig. Aber ich dachte mir, der noch verfügbare Teil sei besser als gar nichts.

Wer auch immer sich berufen fühlt, diese Geschichte oder auch andere zu illustrieren, nur zu. Mein Angebot zur Zusammenarbeit an meine zeichnenden und malenden Künstlerkollegen gilt nach wie vor.


Der Glückstopf

Vor langer Zeit lebte einmal ein sehr dicker König, der sich selbst als „August, der Gewaltige“ bezeichnen ließ, sein Volk aber rief ihn wegen seiner Leibesfülle gern den „Dicken August“ natürlich nur, wenn er es nicht hören konnte. Der dicke König nannte eine wunderschöne Tochter sein eigen, mit langen seidigen Haaren und einer reizenden Gestalt: die Prinzessin Roswitha.

Eines Tages rief er Roswitha zu sich und sprach zu ihr: „Meine Tochter, du weißt, ich bin nicht mehr der Jüngste. Ich habe beschlossen, dass es an der Zeit ist, dich zu verheiraten. Ich möchte mein Reich in guten Händen wissen, wenn ich eines Tages sterbe.

Traurig ging Roswitha davon. Sie wollte noch nicht heiraten. Zwar besaß sie bereits den Körper einer Frau, doch im Herzen war sie ein kleines Mädchen geblieben, die Pflichten einer Königin waren ihr fremd und machten ihr Angst.

Sie ging in den Schlossgarten zu einer großen, alten Linde, die von dichtem Gebüsch umstanden war. Immer wenn sie sich niedergedrückt fühlte, suchte sie die Nähe des Baumes, der schützend sein Blätterdach über sie breitete, während sie ihm ihre Sorgen anvertraute.

Wie sie so dasaß und leise vor sich hin weinte, schrak sie plötzlich auf, als sie eine fremde Stimme hörte: “Aber Prinzesschen, wer wird denn weinen, wenn die Sonne lacht und die Vögel tirilieren? Hihihihi!“

Ein kleines Männlein mit einer gewaltigen Knollennase und riesigen Füßen stand vor ihr und zwinkerte sie mit schwarzen Augen, die lustig blitzten, an.

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